Der Todesgedanke in "Der Ackermann aus Böhmen" im Vergleich mit Petrarca.

                                                                                                                                     Tomoko  KAKIMOTO

Das Hauptthema in "Der Ackermann aus Böhmen" ist das Todesproblem. Es ist unerläßlich, den Todesgedanken des Ackermanndichters Johannes von Tepl mit den Todesgedanken in Petrarcas Werk zu vergleichen, um das Todesproblem in "Der Ackermann aus Böhmen" zu verdeutlichen. Petrarca, der ein bedeutender Dichter der italienischen Renaissance ist, spricht in seinen Werken sehr oft vom Tode. Durch diesen Vergleich kann der literatur-geschichichtliche Ort von Tepis "Der Ackermann aus Böhmen" in der Diskussion bestimmt werden.

Den Todesgedanken Petrarcas und Johannes' von Tepl ist ge-meinsam die Klage um die Vergänglichkeit des Menschen und das mittelalterliche Memento Mori, beide lassen die Irdischkeit und die Häßlichkeit des Menschen und seines Körpers außer acht. Ihre Todesgedanken stehen auf dem Hintergrund mittelalterlich-christlicher Gedanken.•••••••••Andrerseits läßt sich ein neuer Atem in den Todesgedanken bei Petrarca und Johannes von Tepl beobachten, da wo das Menschenbild in ihren Werken vom Lebensgefühl des Humanismus berührt wird. Beide suchen den Tod rein an sich als Erscheinung ohne Vorurteil zu betrachten. Der Tod ist nicht mehr Sold für Sünde und eine Strafe, wie es das mittelaterliche Christentum predigt; er ist allein naturnotwendiges Ereignis.

Gemeinsam sind Petrarca und Johannes von Tepl ihre neue Einstellung des Menschen zum Tode, während die mittelalterliche Haltung dazu immer wieder in ihrem Werk durchbricht, und zwar verschieden in der Art ihrer neuen Auffassung. Petrarca sucht durch Wissen um den Tod und die künstlerische Gesaltung des Todes, d.h. durch die Vernunft, den Tod zu überwinden.

Bei Johannes von Tepl dagegen ist der Tod nichts anderes als Wirklichkeit, der der Mensch am Ende seines Lebens begegnet, den er akzeptieren muß. Er glaubt nicht, daß der Mensch den Tod durch die Vernunft überwinden kann. Deshalb erhofft der "Ackermann" im Tod die Erlösung. 

Ackermanndichters Fragen sind tief und bestimmt; bei ihm kommt es auf die absolute Frage nach Tod und Leben an. Er ist religiöser als Petrarca.

Schließlich können wir feststellen, wie in den Todesgedanken bei Petrarca und bei Johannes von Tepl mittelalterliches und humanistisches Ideengut ineinandergreifen, und wir können das aussprechen: Die Todesauffassung des Johannes von Tepl übertrifft in religiösethischem Sinne die künstlerisch-moralischen Todesgedanken Petrarcas.